Seismik - Eine andere Art sein Leben zu verschwenden?!
Kabelüberquerung in Bahrain
Als ich vor langer Zeit mein Studium der Erziehungswissen- schaften abschloss, stand ich wie viele andere vor dem Problem einen Job zu finden. Nach einigen Wochen der Arbeits- losigkeit tauchte eine Seismik- firma im Nachbardorf auf und ich fand dort einen Job als Hilfs- arbeiter im Kabeltrupp. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich weder gewusst, dass es so was wie Seismik gibt, noch hätte ich mir vorstellen können, für solch einen Job bezahlt zu werden.
Vibrator in ÖsterreichKabel auslegen, Geophone zu “pflanzen“, nur um sie später wieder abzubauen war mein Job. Nicht sehr anspruchsvoll, aber was sollte ich tun? Irgendwie musste ich Geld verdienen. Viel interessanter hingegen waren die Kollegen mit denen ich zusammen gearbeitet habe. Gewöhnlich bekam jeder einen Job, solange er in guter physischer Verfassung und offensichtlich nicht zu betrunken war. (mittlerweile hat sich dies total geändert und Arbeitssicherheit spielt einen sehr großen Stellenwert.) Kurzum, recht schnell gewöhnte ich mich an den Job und begann ihn zu mögen. Im Laufe der Zeit bekam ich anspruchsvollere Aufgaben und machte ihn zehn Jahre lang. Zu Beginn des Jahrtausends, als Explorationsjobs rar waren, fand ich tatsächlich einen Job als Sozialarbeiter, den ich dreieinhalb Jahre lang ausübte. Im Winter 2003 bekam ich ein sehr gutes Angebot für ein Projekt im Iran, das ich nicht ablehnen konnte. Ich ließ meinen geregelten Job im Öffentlichen Dienst mit all seiner sozialen Sicherheit hinter mir und begab mich ins “Land der Mullahs“ nur wenige Wochen bevor der Krieg im Irak ausbrach.
Einen Animationsfilm gibt es hier: Oil and gas industry visualisations
Bohrer in den Schweizer Bergen
Einer meiner englischen Kollegen pflegte immer zu sagen: "Seismic is not an attitude - but a state of mind!" Wohl wahr! Man reist zu Plätzen auf dieser Welt, wo niemand freiwillig hingehen würde. Man darf all die Dinge machen, für die man in Kindertagen von seinen Eltern mächtig Ärger bekam. Man darf mit schwerem Gerät hantieren, ist gelegentlich über und über mit Schlamm verdreckt, hat keinen Tag, der ist wie der vorangegangene! Es ist wie mit dem Reisen: Entweder man mag es oder man mag es nicht, aber dazwischen gibt es nichts!
Seismik oder auch Geophysikalische Explorationsarbeiten funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Man sendet Energiewellen in die Erde. Diese werden, wenn sie auf unterschiedliche Bodenschichten treffen, reflektiert und wieder zur Erdoberfläche zurück geschickt. Dort werden sie durch verschiedene Gerätschaften gemessen und interpretierbar gemacht.
Prinzip seismischer MessungenDie zu benötigte Energie kann mittels Sprengstoff, Druckluft, Rüttelfahrzeugen (Vibratoren), Fallgewichten etc auf mannig- fache Weise erzeugt werden. So ist es möglich in Tiefen von mehreren tausend Metern ins Erdreich “hineinzusehen“. Man braucht diese Messungen um detaillierte Profile vom Erdinnern erzeugen zu können. So kann man Rückschlüsse gewinnen wo z.B. Erdgasfelder zu finden sind, bzw. wo eine Probebohrung erfolgen sollte.
Dies ist eine sehr vereinfachte Darstellung einer komplexen Arbeit. Seismik zu betreiben, ist mit sehr großem Aufwand und Kosten verbunden.

