“Das Sicherheitsproblem“

Während meines zweiten oder dritten Tages in Hendiyan wurde Jakob als mein Fahrer eingestellt. Als Ausländer war es uns nicht gestattet selbst zu fahren. Ich kannte ihn von meinem ersten Törn und wusste, dass er ok war. Am nächsten Morgen wollten wir vom Hof zur Baustelle fahren, kamen je­doch nur bis zum Tor, wo uns die Security stoppte und mir mitteilte, dass es Jakob nicht länger ge­stattet sei für uns zu arbeiten. Es ist aber nicht die Entscheidung der Security wer hier arbeitet und wer nicht. Unsere Mitarbeiter stellen wir immer noch selbst ein. Ich forderte ihn auf mich zum Truppbüro zu fahren. Aber nichts da: Sie stellten sich vor unseren Wagen und hinderten uns an der Weiterfahrt. Dann kam der Chef des Sicherheitsdienstes und versuchte den Zündschlüssel abzuzie­hen. Mir gelang es ihm auf die Hand zu schlagen und sie aus dem Wagen zu drücken. Daraufhin riss er die Fahrertür auf und versuchte Jakob aus dem Fahrzeug zu ziehen. So entstand eine etwas bizarre Szene: er zerrte von draußen, ich von drinnen und der arme Jakob wusste überhaupt nicht wie ihm geschah. Am Ende waren die Sicherheitsleute natürlich stärker und zogen ihn aus dem Wagen und um ihre Macht erst mal zu demonstrieren fingen sie an ihn zu verprügeln. Es war schlimmer als es aussah, aber so was geht doch gar nicht!

Jakob mein FahrerJakob mein Fahrer

Ich sprang ebenfalls aus dem Wagen und fragte den Chef des Sicherheitsdienstes was das denn wohl alles zu bedeuten hätte. “Jakob darf hier nicht arbeiten!“ “Warum nicht?“ “Er stellt ein Sicherheits­problem dar!“ “Weshalb denn wohl?“ “Das ist ein Geheimnis!“ Na prima! So kommen wir auch nicht gerade weiter! Ich fuhr dann zum Büro berichte von dem Vorfall und die gesamte Crew stellte die Arbeit ein. Dies geschah zweimal! Zwei Stunden später konnten wir endlich mit der Arbeit beginnen.

 

Der Sicherheitschef ist ein mächtiger Mann. Er hatte gute Verbindungen zur Islamischen Revolutions­armee. Es ist schwer die Beziehungen zu verstehen, denn an irgendeinem Punkt kommt die Religion mit ins Spiel und dann ist das eben so. Selbst sein Chef konnte oder wollte nichts gegen ihn machen, da er die besseren Connections besaß! Jakob konnte am Ende jedenfalls bleiben.

 

Die große Märtyrer-WandDie große Märtyrer-Wand

Aber die Geschichte war noch nicht ausgestanden, sondern wurde nur ver- lagert. Einen Tag später bekam ich einen offiziellen Anschiß wegen meines Ohrrings. Ich müßte ihn rausnehmen oder das Land verlassen. Also raus mit dem Kreolen, was solls? Weitere drei Tage später zeigte mir mein Chef ein offizielles Beschwerde- schreiben des Auftraggebers, in dem er mir unterstellte, ich hätte schlecht über lokale Mitarbeiter und deren Familien gesprochen! Drei Zeugen seien genug und ich könnte des Landes verwiesen werden!

Eine Gegenüberstellung wurde organisiert, damit die Zeugen mir ins Gesicht sagen könnten, was ich ihnen denn an den Kopf geworfen hätte. Zwei der Arbeiter kamen und fingen an eine Geschicht zu erzählen, allerdings wurde sehr schnell klar, dass dies alles reine Phantasie war. Hinter meinem Rücken wurde der Mechnikerhelfer richtig ungehalten und fing an zu rufen: “Alles Lügen, alles Lügen! Hört den Lügner nicht zu!“ Die beiden wurden zusehends nervöser und am Ende sagten sie, sie würden jetzt kündigen und möchten gehen. Der Sicherheitsdienst hatte sie unter Druck gesetzt. Nun hatten wir aber das nächste Problem: Der Chef des Sicherheitsdienstes musste sich entschuldigen, durfte aber gleichzeitig nicht das Gesicht völlig verlieren!