Tagebuch aus dem Südsudan

Der Flug nach Khartum war an- genehm, soweit fliegen angenehm sein kann und ohne Prob­leme. Die Visaprozedur am Flughafen war chaotisch wie immer, aber nach einer Stunde abge­schlossen. Mit mir kamen noch weitere 10 Kollegen an. Dementsprechend voll war das Stuffhaus und ich fand mich mit Alfredo und Andy Berry auf einem Zimmer wieder. Somit hatte ich die beiden lautesten Schnarcher an jeweils einer Seite von mir und habe wenig ge­schlafen.

 

Abends sprach ich dann noch ein wenig mit Dave und der stellte lapidar fest: “Its not about making good production, but not to get someone killed!“ Was für Aussichten! Die Marsch­buggies scheinen des öfteren umzukippen und ansonsten hat sich zumindest vom Ge­lände her nichts geändert, ganz im Gegenteil. Sumpf soweit das Auge reicht!

 

 

 

Der Flug in den Süden ging relativ pünktlich ab und es war doch erstaunlich kühl hier am Morgen. Gegen 11.00 Uhr sind wir im Camp in Rubkoner angekommen. Gleich zu Anfang gab es ein Meeting mit allmeiner Einweisung und dem Hinweis auf eine besondere Sicherheitseinweisung am Abend.

 

 

Im benachbarten Dorf gab es drei Schießereien mit fünf Toten. Die Sicherheitslage ist “detoriating“. Im Camp wird gestohlen (Batterien, Autoreifen, Kabel, Geld, etc.) Ich hoffen mal, dass mein Laptop nicht abhanden kommen wird.

Erster Tag in den Sümpfen und so gut wie nichts getan. Ich bin zur Zeit mit Hassan zusammen auf dem Backcrew Buggy. Gegen 15.30 Uhr kam der erste Abbau, ansonsten haben die Jungs ein paar Säcke für den Hubschrauber fertig gemacht und das war’s dann.

 

Die Sicherheitslage hier scheint momentan noch spannend zu werden: Durch Rubkoner verläuft die Wirtschaftslinie, auf die sich die Parteien geeinigt haben. Nördlich dieser Linie gehören alle Rohstoffe dem Norden, südlich davon gehen 50% an den Süden. Nach dem Tod des Vizepräsidenten, der aus dem Süden kam, wurde diese Linie versucht immer weiter nach Süden zu verschieben. Was bei der SPLA natürlich nicht auf Gegenliebe stieß. Wie der hiesige Sicherheitsexperte sagte, rekrutieren und rüsten sie zur Zeit auf beiden Seiten ganz heftig auf. In einzelnen Ortschaften kam es zu Schießereien mit mehreren Toten. Weil dies aber noch nicht kompliziert genug ist, mischen auch noch lokale Milizen mit. Es gibt verschiedene Straßensperren, um ein weiteres Einsickern des Nordens zu unterbinden. Gleichzeitigmuss dort Wegzoll bezahlt werden, ansonsten ist man der Willkür der Soldaten ausgeliefert.

 

Wurde die Lage vor einigen Wochen noch als ernst eingeschätzt, so wird sie mittlerweile als kritisch beurteilt. Zur Zeit wird an einem Evakuierungsplan gearbeitet.

Wurde die Lage vor einigen Wochen noch als ernst eingeschätzt, so wird sie mittlerweile als kritisch beurteilt. Zur Zeit wird an einem Evakuierungsplan gearbeitet.

 

Angeblich betrifft dies uns nicht so sehr, vielmehr aber ist die andere Crew davon betroffen. Außerdem wurde uns noch mit auf den Weg gegeben, dass wir uns gut überlegen sollten wen wir einen Anschiss (unvermeidbar von Zeit zu Zeit) geben, da jeder in irgendeiner Form mit dem einen oder anderen Milizangehörigen bekannt oder verwandt ist, und bekanntlich sieht man sich ja immer zweimal im Leben.

 

 

Im Camp haben sie jetzt eine Bar eingerichtet mit dem sinnigen Namen “Flashbar“, nach dem Reinigungsmittel, welches in verdünnter Form als Alkoholersatz dient. “...at least a nice place to socialize!“